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News

Etablierte Patientenversorgung ist gefährdet!

Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und ABDA - Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände bekräftigen anlässlich der Vertreterversammlung der KZBV erneut ihren Zusammenhalt und positionieren sich klar gegen die verfehlte Gesundheitspolitik von Bundesminister Karl Lauterbach.

Es bedarf dringend unmittelbarer politischer Weichenstellungen, um vor allem die Niederlassung in eigenen Praxen und Apotheken zu fördern und so das bei Patientinnen und Patienten bewährte Gesundheitssystem zu erhalten. Andernfalls droht die flächendeckende und wohnortnahe Versorgung zunehmend zu schwinden.

Die gegenwärtigen politischen Rahmenbedingungen torpedieren die Arbeit der niedergelassenen Zahnärzteschaft und Ärzteschaft sowie der Apothekerinnen und Apotheker. Eine überbordende Bürokratie, eine nicht am Praxisalltag ausgerichtete Digitalisierungsstrategie und fehlende Mittel für Prävention haben massive Folgen für Patientinnen und Patienten, die bereits jetzt sichtbar sind: ein dramatischer Rückgang bei den Parodontitis-Neubehandlungsfällen, fehlende Haus- und Fachärzte und ein zunehmend ausgedünntes Netz der Arzneimittelversorgung.

Martin Hendges, Vorstandsvorsitzender der KZBV, betont: „Eine flächendeckende zahnärztliche Versorgung, wie es sie bislang gab, ist unter den aktuellen desaströsen politischen Rahmenbedingungen kaum noch zu gewährleisten. Von dieser versorgungsfeindlichen Gesundheitspolitik besonders betroffen ist die neue, präventionsorientierte Parodontitistherapie. Parodontitis nimmt unter anderem Einfluss auf schwere Allgemeinerkrankungen wie Diabetes, rheumatische Erkrankungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Wenn Minister Lauterbach mit seinem 'Gesundes Herz Gesetz' hier eine bessere Vorsorge schaffen will, ist es völlig unverständlich und kontraproduktiv, dass zugleich unser präventionsorientierter Ansatz im Bereich der Parodontitistherapie budgetiert wurde. Die Früherkennung und Behandlung der Volkskrankheit Parodontitis sind wichtige Bestandteile zur Vermeidung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, denen in keinem Fall die finanziellen Mittel gekürzt werden dürfen.“

Der Vorstandsvorsitzende der KBV, Dr. Andreas Gassen, erklärt: „Statt das Fundament unser aller Gesundheitsversorgung in Form von wohnortnahen Praxen und Apotheken zu festigen, ist Minister Lauterbach auf dem besten Weg, das gesamte Gebäude einzureißen. Eine Umfrage des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung verdeutlicht den Ernst der Lage: Von fast 32.000 teilnehmenden Niedergelassenen gaben 70 Prozent der Ärztinnen und Ärzte an, dass sie überlegen, aufgrund der schlechten Rahmenbedingungen vorzeitig aus der Patientenversorgung auszuscheiden. Seit dem vergangenen Sommer haben wir als Körperschaften auf die Konsequenzen der aktuellen Gesundheitspolitik aufmerksam gemacht und im Rahmen unserer Möglichkeiten protestiert. Kein Politiker wird hinterher sagen können, das habe er nicht gewusst. Die wohnortnahe niedrigschwellige Versorgung durch Praxen und Apotheken ist eine der größten Errungenschaften unseres Gesundheitssystems. Diese verlässlichen Strukturen sind nicht zuletzt wertvoller sozialer Kitt in einer Gesellschaft, die zunehmend auseinanderfällt. Sie sind das Sinnbild eines Versorgungsversprechens für die Menschen in diesem Land. Das sehen die Bürgerinnen und Bürger genauso und sie werden sich auch nicht für dumm verkaufen lassen.“

Mathias Arnold, Vizepräsident der ABDA - Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, sagt: „Seit Jahren befindet sich die Apothekenzahl im Sinkflug und erreicht immer neue Tiefpunkte. Allein im vorigen Jahr sind rund 500 Apotheken weggefallen. Das bedeutet längere Wege für Patientinnen und Patienten zum dringend benötigten Arzneimittel – auf dem Lande, aber auch in den Städten. Auch dieses Jahr sind massive Belastungen in den Apotheken mit ihrem anhaltenden Fachkräftemangel zu spüren – ob beim Management der vielen Lieferengpässe oder beim holprigen Start des E-Rezepts. Das Apothekenhonorar wurde dagegen seit elf Jahren nicht angepasst, zuletzt hat es die Ampel-Koalition sogar gekürzt. Minister Lauterbach weiß von diesen Problemen, kündigt aber nur Scheinreformen an. Seine Ideen bedeuten sogar Leistungskürzungen, wenn künftig statt vollwertiger Apotheken nur Arzneimittelabgabestellen gegründet werden sollen. Und durch eine Umverteilung statt einer Anhebung des Honorars werden noch mehr Menschen ihre Apotheke nebenan verlieren. Damit würden wichtige Leistungen weder überall noch für alle angeboten werden. Die Apotheken müssen gestärkt und nicht kaputtgespart werden.“

Hendges, Gassen und Arnold kritisieren scharf, dass das Gesundheitssystem in seinen bewährten Strukturen von Bundesgesundheitsminister Lauterbach in die falsche Richtung reformiert wird, und appellieren unmissverständlich an ihn, endlich in den Dialog mit denjenigen zu treten, die die Versorgung täglich gestalten. Die Lösungsvorschläge der Selbstverwaltung für eine Versorgung im Sinne der Patientinnen und Patienten liegen auf dem Tisch und eine Reformbereitschaft ist gegeben. Wirklichkeitsfremden Versorgungskonzepten und Staatsmedizin ist dabei eine klare Absage zu erteilen.

Die drei großen Organisationen des Gesundheitswesens warnen eindringlich davor, dass sich die rund 84 Millionen Patientinnen und Patienten in Deutschland von einer hochwertigen und wohnortnahen sowie sozial gerechten Versorgung verabschieden müssen, wenn Minister Lauterbach den gegenwärtig eingeschlagenen Weg weiterverfolgt. Das wäre politisches Großversagen.

Um die Bevölkerung über die verheerenden Folgen dieser Politik für ihre Versorgung aufzuklären, haben alle drei Organisationen bereits bundesweite Kampagnen gestartet und appellieren an alle Patientinnen und Patienten, diese zu unterstützen und ihrem Protest über die gegenwärtige versorgungsfeindliche Politik Ausdruck zu verleihen.



Mundgesundheit und Demenz

Dank einer verbesserten Prävention haben ältere Menschen heute deutlich länger und mehr eigene Zähne oder hochwertigen Zahnersatz als früher. Menschen mit Pflegebedarf und Demenz haben jedoch im Vergleich eine deutlich schlechtere Mundgesundheit als Menschen ohne Pflegbedarf. Mit einem neuen Informationsblatt klärt die Deutsche Alzheimer Gesellschaft (DAlzG) über Möglichkeiten auf, trotz einer Demenzerkrankung Zähne und Mundgesundheit länger zu erhalten.

Zahnfleischentzündungen und kariöse Zähne können sehr schmerz­haft sein. Sie sind auch Eintrittspforten für Viren und Bakterien, die über das Blut Krankheitsprozesse wie zum Beispiel Diabetes, Rheuma, Herz-Kreislauferkrankungen oder auch Demenz negativ beeinflussen können. Umgekehrt wirkt sich ein gutes Kauvermögen positiv auf die gesamte Gesundheit aus und beugt sogar der Abnahme von Teilen der Muskultur vor. Deshalb sind eine sorgfältige Mundhygiene und eine gute zahnärztliche Versorgung auch bei Demenz sehr wichtig.

„Menschen mit Demenz können mitunter nicht mehr klar äußern, ob und wenn ja, wo sie Schmerzen im Mund haben“, sagt Dr. Elmar Ludwig, Referent für Alterszahnmedizin und Geriatrische Zahn­medizin der Zahnärzteschaft in Baden-Württemberg und Mitautor des Informationsblattes. „Es gibt aber viele Anzeichen für Probleme mit der Mundgesundheit wie zum Beispiel rissige Lippen, ständiges Zähneknirschen, Mundgeruch oder Unlust auf Essen. Pflegende, sollten zudem den Zustand der Zähne und der Mundhöhle regelmäßig überprüfen und frühzeitig reagieren.“

Martina Wersching-Pfeil, Koordinatorin des Geriatrischen Schwerpunkts am Helios-Klinikum Pforzheim und ebenfalls Mitautorin des Infoblatts, weist auf die Möglichkeiten hin, Menschen mit Demenz möglichst lange bei der selbstständigen Mundhygiene zu unterstützen: „Eine gut zu greifende Zahnbürste, eine sanfte Anleitung und ein Mundspülbecher mit Nasenausschnitt können sehr hilfreich sein. Günstig ist eine weiche oder mittelharte Zahnbürste mit einem kurzen Kopf. Auch Prothesen müssen regelmäßig gereinigt werden. Werden sie nachts nicht im Mund getragen, empfiehlt sich übrigens die trockene Aufbewahrung in einer offenen Dose – das tötet die Bakterien besser ab, als wenn man die Prothese über Nacht in Wasser aufbewahrt.“

Das Informationsblatt enthält weitere Hinweise zum Umgang mit abwehrendem Verhalten bei der Mundpflege, zu besonderen zahnmedizinischen Leistungs­ansprüchen bei Pflegebedürftigkeit und Demenz oder zur Vorbereitung des Zahnarztbesuchs.

Informationsblatt zum Download
Das Informationsblatt 28 „Mundgesundheit und Demenz“ steht auf der Webseite der DAlzG kostenlos zum Download zur Verfügung.



Urlaubskiller Zahnschmerzen

Zahnschmerzen können die Urlaubsstimmung erheblich trüben. Regelmäßig zur Kontrolle in die Zahnarztpraxis zu Hause mindert das Risiko, dass Zahnschmerzen den Urlaub vermiesen. Im Fall der Fälle hilft der kostenfreie proDente Sprachführer weiter. Er übersetzt das Wichtigste rund um Zahnschmerzen in sieben Sprachen.

Empfehlenswert ist es, frühzeitig vor Beginn der Reise einen Vorsorgetermin bei der Zahnärztin oder dem Zahnarzt zu vereinbaren. So können gesundheitliche Risiken erkannt und Erkrankungen behandelt werden. „Wer sich vor einer Reise in zahnärztlicher Behandlung befindet, sollte zudem seine Reisepläne mit seiner Zahnärztin oder seinem Zahnarzt besprechen“, rät Dr. Romy Ermler, Vorstandsvorsitzende der Initiative proDente e.V. und Vizepräsidentin der Bundeszahnärztekammer (BZÄK). „So kann abgeklärt werden, ob aus zahnmedizinischer Sicht Einwände bestehen oder bestimmte Aktivitäten wie etwa große körperliche Anstrengungen vermieden werden sollten.“

Sprachführer „Au Backe! Zahnschmerzen im Urlaub“ „This tooth is aching“ oder „J´ai une doleur à cette dent”. In sieben Sprachen übersetzt das kleine Wörterbuch die wichtigsten Fragen und Begriffe rund um Zahnschmerzen und deren Behandlung. So können sich Patientinnen und Patienten im Notfall verständlich machen. In Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Portugiesisch, Türkisch und Griechisch können Patientinnen und Patienten zudem auf wichtige Vorerkrankungen wie z.B. „Ich habe einen Herzschrittmacher“ hinweisen.

Eine praktische Urlaubscheckliste rundet den Sprachführer ab:

  • Vor Reiseantritt zur Kontrolle in die Zahnarztpraxis,
  • Telefonnummer des Zahnarztes zu Hause parat haben,
  • Reisekrankenversicherung abschließen,
  • Auslands-Notruf-Telefonnummer der Krankenkasse oder Kontaktadressen für den Notfall vor Ort notieren,
  • Krankenversicherungskarte und Reiseapotheke mitnehmen,
  • Zahnbürste, Zahncreme, Zahnzwischenraumbürste oder Zahnseide einpacken (evtl. als praktisches Reisezahnset),
  • Prothesen, Spangen und Reinigungsmittel nicht vergessen.
Kostenfrei bei proDente bestellen Patientinnen und Patienten können den Sprachführer bei proDente per E-Mail an info@prodente.de, auf www.prodente.de unter dem Menüpunkt „Infomaterial für Patienten“ oder unter der Telefonnummer 01805-55 22 55 beziehen.

Zahnärztinnen und Zahnärzte sowie zahntechnische Innungsbetriebe erhalten je 100 Exemplare des Sprachführers kostenfrei per E-Mail an info@prodente.de, auf den Fachbesucherseiten unter www.prodente.de (Login) oder über die Telefonnummer 01805-55 22 55.



Mund auf, Praxis zu

Protest- und Informationstag soll auf dramatische Situation in Zahnarztpraxen hinweisen Aus Protest gegen die aktuelle Gesundheitspolitik und ihre Auswirkungen schließen in Niedersachsen Zahnärztinnen und Zahnärzte am 18.06.2024 ihre Praxen. „Wir machen den Mund auf und die Praxis zu. Es reicht: Zu viel Bürokratie, zu wenig Geld für Prävention, Budgetierung, Inflation, keine Änderungen im privaten Gebührenrecht. Das ist zusammen ein giftiger Cocktail, der viele Zahnärztinnen und Zahnärzte verzweifeln lässt“, sagt der Präsident der Zahnärztekammer Niedersachsen (ZKN), Henner Bunke, D.M.D./Univ. of Florida. Eine flächendeckende zahnärztliche Versorgung, wie es sie bislang gab, sei unter den desaströsen politischen Rahmenbedingungen kaum noch zu gewährleisten. 60 Prozent der zahnärztlichen Praxen in Niedersachsen sind Einzelpraxen. „Sie sind das Fundament unserer flächendeckenden Versorgung in Niedersachsen“, erklärt Dr. Jürgen Hadenfeldt, Vorsitzender des Vorstandes der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KZVN). Doch inzwischen berichteten viele selbstständige Kolleginnen und Kollegen, dass sie nicht mehr wissen, ob sie im kommenden Jahr ihre Praxis noch fortführen können.
„Gerade in vielen ländlichen Regionen unseres Flächenlandes wird das zu problematischen Veränderungen in der Versorgung führen“, so Hadenfeldt. Schon heute könnten Praxen, deren Inhaber/-innen altersbedingt ausscheiden, kaum mehr nachbesetzt werden. „Die wohnortnahe Patientenversorgung ist gefährdet wie nie zuvor. Die Praxen stoßen täglich an ihre Grenzen und können die gewohnte Versorgung auf Dauer nicht mehr leisten – und die Politik schweigt“, erklärt Dr. Markus Braun, Vorsitzender des Landesverbands Niedersachsen des Freien Verbands Deutscher Zahnärzte (FVDZ). „Praxen schließen, Wartezeiten verlängern sich, Leistungen werden eingeschränkt. Das besorgt auch unsere Patientinnen und Patienten.“ Dr. Braun forderte von der Politik unter anderem einen dringend notwendigen Bürokratie-Abbau.
„Durchschnittlich 51 Arbeitstage pro Jahr werden in Praxen nur für Verwaltungstätigkeiten aufgewendet. Zeit, die wir lieber mit unseren Patientinnen und Patienten und deren Versorgung verbringen.“

„Zahnmedizin ist nicht Nice-to-have-Medizin, sondern wichtig für die Allgemeingesundheit. Zahnärzte sind deshalb auch keine Ärzte zweiter Klasse“, betonte Dr. Tilli Hanßen, Stellvertretende Vorsitzende des Verbands Zahnärzte für Niedersachsen (ZfN). Von der versorgungsfeindlichen Gesundheitspolitik besonders betroffen sei insbesondere die präventionsorientierte Parodontitistherapie. Parodontitis, eine Erkrankung, von der mehr als die Hälfte aller Erwachsenen in Deutschland betroffen sind, nimmt unter anderem Einfluss auf schwere Allgemeinerkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und rheumatische Erkrankungen. Durch unbehandelte Parodontitis entstehen hohe Folgekosten für das Gesundheitssystem. Für den 18.06.2024 rufen ZKN, KZVN sowie die beiden Verbände die niedersächsischen Zahnärztinnen und Zahnärzte dazu auf, aus Protest ihre Praxen zu schließen und stattdessen ein Fortbildungsangebot zu nutzen. Für Notfälle ist eine Notfallbereitschaft organisiert. Näheres zum Protest und den Hintergründen erfahren Sie auf der Internetseite www.mundauf.info





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